Sonntag, 7.12. bis Sonntag, 14.12.2025
Ein Alu-Adler und ein Uber bringen mich nach Downtown Kairo - erster Eindruck: laut, staubig, chaotischer Verkehr, bröselnder Beton, Müll. "Ob das wohl überall so aussieht, hier?" frage ich mich. Ich werde es herausfinden und "Ja, überall" sagen. Ich fange in Gesprächen automatisch an, bestätigend mit dem Kopf zu wackeln, weil ich mich so an Indien erinnert fühle.

Gleich am ersten Tag muss ich mal rüber zum Nil gehen. Unterwegs fängt mich ein "Professor der Kunst" mit schwindenden Deutschkenntnissen und verpäkten Klamotten ab. "Ich bin Kunstprofessor meine Ausstellung ist um die Ecke meine Tochter heiratet morgen komm doch da hin ich zeig dir meine Bilder komm mit ich will dir nix verkaufen komm mal mit ich zeig dir meine Bilder meine Tochter morgen Heirat Bilder nichts verkaufen wo kommst du her mein Sohn lebt in Stuttgart" lullt er mich ein. Ich: mit. Seine Ausstellung ist ein Laden mit "handgemalten" gedruckten Bildern auf Papyrus und schneller als ich gucken kann hat seine Tochter namens "heiratet morgen" meinen Namen in arabisch und in Hieroglyphen auf eins der Bilder geschmiert. Und mir ein anderes für 800 Ägypten-Kohlen verkauft. "Kostet eigentlich 1000, ehrlich!" geht es los - "Nee, 400 sind schon more than enough, man!". 100 EGP sind 2 Euro. "Gib soviel wie du willst" - "Ja, 400" - "Nee, 1000" - "600" und so weiter.
Ich lache mich schlapp über die Situation, mich, meine eingerosteten Fähigkeiten Touristen-Fänger zu abzuwimmeln und gehe geläutert, neu gestählt und 16 Euro leichter weiter. Zum Fluss der Flüsse.

Mal ist der Amazonas der längste der Welt, mal der Nil - kommt drauf an, wen du fragst. Er hat diverse Hochkulturen hervorgebracht und ohne ihn wäre Ägypten quasi nur Wüste. Die letzte Quelle wurde erst 1898 im Urwald von Ruanda entdeckt und das Fluss-Delta ist so groß wie ganz Meck-Pomm. Ein Gigant. 6650 Kilometer - das ist von Hannover bis nach Varanasi in Indien. Uff!
(Ton kann im Video eingeschaltet werden)
- Auf der Tahrir-Steet vor meiner Airbnb-Unterkunft wird ein dauerhaftes Hupkonzert veranstaltet und an Schlaf ist nur mit Ohropax zu denken.
- Jeder Uber- oder Taxi-Fahrer nimmt Touristenpreise und ich fühle mich dauerhaft verarscht.
- Ich hab es zweimal ausprobiert: Das Streetfood ist eigentlich nicht genießbar für meinen Gaumen - knorpelig und ungewürzt, aber es gibt gute Restaurants.
Am Mittwoch kommt Bobby - Besuch aus Hannover. Aber ich kann nicht, ich muss schon am Montag zu den Pyramiden von Gizeh. Nur von außen gucken, nicht anfassen. Die Fahrt auf der Autobahn ist schon bitter. Da reihen sich krasse Viertel aneinander: Halbfertige, aufgegebene Wohnblöcke, zusammengekrachte Wohnblöcke, bewohnte unverputzte Wohnblöcke, mal mit Fensterglas, mal ohne, mit engen Straßenschluchten dazwischen. Wenn ich nicht schon sitzen würde, müsste ich mich erstmal setzen.
Als dann das erste Mal die Pyramiden dahinter auftauchen, ist das alles ausgeblendet - sowas von beeindruckend! Ich hab wirklich in die Hände geklatscht und hätte am liebsten den Taxi-Fahrer umarmt. Aber der war ja mit hupen beschäftigt. Am Donnerstag dann nochmal mit Bobby hin, so richtig, und am Samstag nochmal, um die schlechte "Lightshow" zu gucken.

Es sind ja nur drei hier in Gizeh: Cheops ist die größte. Dann, die von seinem Sohn Chephren. Und dann, und viel kleiner, weil kein Platz mehr auf dem Plateau, die von dessen Sohn Mykerinos. Außerdem stehen da noch kleinere rum. For Friends & Family. Und anderes Zeug, Kameltreiber, Busse, Touristen usw. Man muss sich das mal auf den Neuronen zerlaufen lassen: das ganze ist vor 4500+ Jahren gebaut worden. Echt ein Wahnsinn. Das sollte man mal gesehen haben, finde ich.

Von der Sphinx ist nicht nur die Nase, sondern auch der Kinnbart abgebrochen. Wahrscheinlich stellt sie Herrn Chephren dar.
In die kleine und in die Cheops kann man reingehen. Lange, enge Gänge, keine Reliefs und am Ende die eigentliche Grabkammer. Manche Gänge sind nur 1,20 Meter hoch und einen guten Meter breit und man zwängt sich da mit den entgegenkommenden Touristen durch. Voll cool. Innen drin ist es heiß und stickig. Es riecht ein bisschen nach alten Socken. Die drei Pyramiden sind komplett von Grabräubern geplündert worden.




Vorhin, am 1. November 2025, wurde mit dem "Grand Egyptian Museum" gleich nebenan das größte archäologische Museum der Welt eröffnet. Es enthält ca. 50.000 Ausstellungsgegenstände (dt: Exponate). Alles voll mit Statuen aus ganz Ägypten.
Das beeindruckendste war die Tutanchamun Gallery. 5398 Objekte wurden in seiner Grabstätte gefunden und sind zum Großteil hier ausgestellt.



Die Mumie selbst ist im Tal der Könige in Assuan zu sehen. Dazu kommen wir dann.
Das Museum ist groß. Sehr groß. Überwältigend im wahrsten Sinne des Wortes. Ziemlich schnell kann man nichts mehr aufnehmen. Das liegt aber auch daran, dass dort Statue neben Statue steht. Wenn man sich mit Ägyptologie beschäftigt und vielleicht sogar Hieroglyphen lesen kann, dann muss man da wahrscheinlich x Mal reingehen und alles ansehen, lesen, hundert mal ablichten und kann mit allem was anfangen. Bobby und ich, wir haben ruck-zuck den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen und haben nur noch ab und an mal genauer hingucken können. Das ist einfach zuviel und teils auch zuviel des Gleichen. Same-Same but different. Aber trotzdem natürlich: 1A Empfehlung!
(Ton kann im Video eingeschaltet werden)

Wir waren noch auf dem Cairo Tower, die Aussicht genießen. In Harry's Pub, das Bier genießen. Auf dem Al-Muizz-Bazar, den Trubel genießen. Man kann schon einiges unternehmen hier. Eine Nil-Fahrt haben wir uns gespart. Was will man schon sehen auf einer Fahrt, die eine Stunde dauert, außer Häuser am Ufer...


Ach ja, ich war am Dienstag noch in Garbage-City von Kairo. Dort wird der Müll der Stadt sortiert. Ein einziger großer Slum. Ich wollte eigentlich zu einer Höhlenkirche, die dort ist, aber der Taxi-Fahrer hat es einfach nicht geschafft, dorthin zu kommen. Er hat echt Backsteine geschwitzt und war völlig überfordert mit dem Chaos dort. Das will schon was heißen. Irgendwann mussten wir kehrt machen. Es war kein Land zu sehen.
(Ton kann im Video eingeschaltet werden)

